Geschichte

1901 im Oktober, wurde mit dem Bau der Tauernbahn begonnen und bereits am 20.5.1905 wurde die Nordrampe eröffnet. Man weiß, daß in einigen Jahren mit der Fertigstellung des Tauerntunnels zu rechnen ist, und daß es dann auch für Touristen aus dem deutschen Kaiserreich eine direkte Bahnverbindung
nach Kärnten geben wird.
Die Gäste im Nobelkurort Bad-Gastein können dann mühelos die Attraktion einer Fahrt durch den Tauerntunnel mit einem Kurzbesuch am Millstätter See verbinden. Schließlich hat Kärnten wärmere Seen, höhere Berge und schönere, weitläufigere Almen zu bieten, wie das von der Kaiserfamilie und den Wiener Adeligen bevorzugte Salzkammergut, und hier kennt man vor allem keinen “Schnürlregen”. Kein Wunder also, daß der rührige Millstätter Förderungsverein und die ihm angeschlossenen Tourismusbetriebe in einer euphorischen Aufbruchstimmung sind und sogar beim renommierten Leipziger “Woerlʼs Reisebücherverlag” einen illustrierten Führer durch den Badeort Millstatt drucken lassen. Da ist es naheliegend, nicht nur den
Millstätter See anzupreisen, sondern auch die einmalig schönen Wandergebiete und Aussichtsterrassen der Millstätter Alpe, zu denen man noch dazu einen wildromatischen Aufstieg durch eine Schlucht, vorbei an Wasserfällen, Mühlen und Sägen anbieten kann.Was aber ist eine zünftige Almpartie ohne Einkehr in eine urige Hütte? So dachten vermutlich auch die in ihre Berge und Almen verliebten Millstätter Bürger(Innen) und das dürfte auch die letzten Zweifler davon überzeugt haben, dass es sinnvoll wäre eine solide Hütte oder ein Haus mit Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten am „Millstätter Törl“ zu erbauen. Zwar gab es damals bereits eine “Nockhütte” etwa eine halbe Stunde unterhalb der jetzigen Millstätter Hütte, die im genannten Reiseführer als „Alpenhaus“ beschrieben wird, aber dieses Haus entsprach ganz offensichtlich nicht den Vorstellungen der einkehrenden Wanderer, wie im Jahrbuch des Österreichischen Gebirgsvereines „Gebirgsfreund“ von 1908“ nachzulesen ist:2text

Am Anfang stand eine großzügige Spende. Der Millstätter Apotheker Sigmund Mittelbach – er sollte die Hütteneröffnung nicht mehr erleben – hatte den von den Initiatoren des Hüttenbauprojektes im Juli 1907 ausgewählten Grund erworben und anschließend dem Förderverein geschenkt. Noch im September 1907
wurde mit dem Bau begonnen, und im Juni 1908 war die neue Millstätter Hütte bezugsfertig.
Nun galt es die Hütte mit Leben zu erfüllen und aufgrund der negativen Erfahrungen mit dem privaten “Nockhaus”, suchte man für die neue Hütte, schon rechtzeitig vor der Eröffnung, einen kompetenten Partner, den man schließlich im Österreichischen Gebirgsverein fand. Der ÖGV erwarb Miteigentum an der Hütte und bildete kurzfristig eine Ortsgruppe Millstatt, deren offizielle Gründung allerdings erst im Herbst nachgeholt wurde. Die Mitglieder des Gebirgsvereins erfuhren aus dem Jahrbuch von 1908, schon vor Beginn der Wandersaison, daß man sich durch die Beteiligung an der neuen Millstätterhütte auch die Erschließung “der wenig bekannten Millstätter Alpe” zur Aufgabe gemacht hatte:

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